Wer glaubt, dass es die Rolle der Medien sei, in der demokratischen Diskussion verschiedene Aspekte miteinander in Verbindung zu bringen sowie sachliche und intellektuelle Elemente aufzuzeigen, die es erlauben, die Oberfläche der Ereignisse zu durchstossen, ist ein Träumer. Intelligenz: aus dem Lateinischen inter-ligere: Sachen miteinander verbinden (der Dummkopf sagt «Ich sehe da keinen Zusammenhang»). Aber Latein gehört schon lange nicht mehr zum Cursus honorum, zur «Ämterlaufbahn» der Berufskommentatoren. Wir leben im Zeitalter der Sequenzen – die eine jagt die andere.

 

Natacha Polony,  Französische Kolumnistin

Der Adler im Hühnerstall

Ein Mann fand ein Adlerei und legte es in das Nest einer brütenden Henne. Der junge Adler schlüpfte mit den Kücken aus und wuchs mit diesen auf. Sein ganzes Leben lang benahm sich der Adler wie ein Huhn, denn er war sich seiner Herkunft nicht bewusst. Er scharrte mit den Hühnern im Hinterhof und auf dem Miststock und schlief des Nachts auf einem Bein stehend. Nur das Eierlegen wollte ihm nicht recht gelingen. Jahre vergingen und der Adler wurde alt. Eines Tages sah er einen herrlichen Vogel hoch über dem Hühnerstall mit ausgebreiteten Schwingen dahingleiten. Voll Bewunderung schaute ihm der alte Adler nach und fragte den Hahn, der gerade vorbeistolzierte: "Wer ist das ?"  "Das ist der Adler, der König der Lüfte ", erklärte der Gockel, "doch reg dich nicht auf, du und ich, wir sind von anderer Art." Also dachte der Adler nicht mehr weiter an diesen Vogel. Er starb im Glauben ein Huhn im Hinterhof zu sein.


Daraus folgt: "Wer das Denken eines Huhnes hat, für den ist die Welt ein Hühnerstall.

 

                                                                                                 Beat Imhof, Symbolgeschichten - Wege nach Innen

 

 

Wir fürchten uns nicht vor unserer Unzulänglichkeit. Wir fürchten uns davor, über alle Massen mächtig zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten schreckt. Wir fragen uns, wie kommt es, dass ich grossartig, wunderbar, talentiert und fabelhaft bin ? Warum solltest du es nicht sein ?

Du bist ein Kind Gottes. Sich klein zu machen nützt der Welt nichts. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, zusammenzuschrumpfen, damit die Leute in deiner Umgebung sich nicht unsicher fühlen. Wir sind geboren, um die Herrlichkeit Gottes in uns zu verwirklichen. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem !

Wenn wir unser Licht leuchten lassen, geben wir den anderen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun. Wenn wir uns von unserer Furcht befreien, befreit unsere Anwesenheit automatisch die anderen.

 

Nelson Mandela - Rede zur Amtseinführung

 

 

Wirklich reich ist,

wer mehr Träume

in der Seele hat,

als die Realität

zerstören kann.

 

Hans Kruppa

 

 

 Mach dir deine eigenen Götter, und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.

 

Epikur, griech. Phil., 341-270 v.Chr.

 

 

...das noch als irrational Erscheinende ist nicht bloss zurückgebliebene und glatt auflösbare Dummheit, es bezeichnet auch einen Rest im Menschen. Es bezeichnet nämlich - im strengeren Sinne - das zur wirklichen Vernunft zu Bringende, vom Verstand noch Ausgelassene, genauer, jene Elemente unseres durch und durch geheimnisvollen Daseins, denen nichts als Verstand noch nicht gerecht geworden ist...Wird unser Leben, worin so vieles nicht stimmt und so manches wieder in Schönheit und Bedeutung wie mit lauten Trostgesängen leuchtet, allzu ökonomisch behandelt und reduziert, dann machen die Schwindler ungestört ihre Geschäfte mit dem Irrationalen, und es entsteht aus ihm nur jene Nacht, die keines Menschen Freund ist.

 

Ernst Bloch

 

 

Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt der lasse sich begraben.

 

Goethe

 

 

Als ich den Leuten in Nordirland erzählte, dass ich Atheist sei, stand eine Frau im Publikum auf und fragte: "Nun gut, aber ist es der katholische oder der protestantische Gott, an den Sie nicht glauben?"

 

Quentin Crisp

 

 

Die Entschlossenheit, die nicht über Schlafen, Träumen, Ängste, Klagen, Niedergeschlagenheit, Arroganz und Illusion hinausgeht, ist in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.

 

Bhagavad Gita, Moksa-Yoga, Das höchste Ziel - die göttliche Freiheit

 

 

Da ist leicht zu begreifen, dass das Wort "intellektuell" verdientermassen zu einem Schimpfwort wurde. Das Unvertraute flösst immer Angst ein. Du erinnerst dich doch sicher an einen Mitschüler, der besonders "hell" war und die meisten Antworten gab, während die anderen wie Ölgötzen dasassen und nur darauf warteten, es dem hellen Kopf heimzuzahlen ? War er nicht dazu ausersehen, nach der Schule drangsaliert zu werden ? Klar, das war er. Wir müssen alle gleich sein. Nicht frei und gleich geboren, wie es in der Verfassung heisst, sondern gleich gemacht. Jeder ein Abklatsch des andern, dann sind alle glücklich, dann gibt es nichts überragendes mehr, vor dem man den Kopf einziehen müsste, nichts, was einen Massstab abgäbe.

 

Ray Bradbury, Fahrenheit 451

 

 

Je suis excentrique et ne me préocupe pas de ce que les gens pensent de moi. Je dis aussi beaucoup de choses qui me paraissent essentielles et qui n'interessent personne.

 

A. P., junge, selbstbewusste Mensanerin

 

 

 Mensch werden ist eine Kunst.

                Novalis

 

 

 

...Je vollkommener jemand seine Sprache versteht, desto reicher ist er auch an Vorstellungen der Dinge... Umgekehrt je ärmer Sprache und Ausdruck, desto ärmer auch an einer deutlichen, klaren und wohlgeordneten Erkenntnis. Seiner Sprache mächtig sein heisst daher nichts anderes, als aller Kräfte seines Geistes und des ganzen Ideenvorrates mächtig sein, welchen die Sprache bezeichnet.

  

              Gottfried August Bürger 1747 - 1794

 

 

Es wird eine Zeit kommen, wo in unserem Lande, wie anderwaerts, sich grosse Massen Geldes zusammenhaengen, ohne auf tuechtige Weise erarbeitet und erspart worden zu sein; dann wird es gelten dem Teufel die Zaehne zu weisen; dann wird es sich zeigen, ob der Faden und die Farbe gut sind an unserem Fahnentuch !

 

Gottfried Keller

 

 

Der chinesische Weise Kung Fu-Tse wurde von einem seiner Schüler gefragt: "Meister, wenn der Kaiser euch die Regierung des Reiches anvertrauen würde, welches wäre dann eure erste Weisung ?" Der Meister antwortete darauf: "Zweifellos würde ich zuallererst die Bedeutung der Worte genau festlegen." Da rief der Schüler aus: "Aber Meister, das kann doch nicht euer Ernst sein ! Wir sind doch alle der Sprache mächtig. Warum sollte es so wichtig sein, zuallererst die Bedeutung der Worte genau festzulegen ?" Der Meister belehrte den Fragenden:"Wie kurz sind doch deine Gedanken, und wie beschränkt ist dein Wissen. So höre den:"Der edle Mensch legt bei allem, was er nicht vollkommen versteht, grösste Vorsicht an den Tag. Wenn die Bedeutung der Worte nicht eindeutig feststeht, führt dies leicht zu Missverständnissen, und die Leute reden aneinander vorbei, ohne die Wahrheit zu begreifen. Und wenn die Worte zu verschiedenen Auslegungen führen, kann kein Vorhaben zu einem guten Ende gebracht werden. Auf diese Weise können Ordnung und Gleichgewicht nicht zur Blüte gelangen. Wenn aber Ordnung und Gleichgewicht nicht zur Blüte kommen und die Verhältnisse des Volkes nicht harmonisch sind, dann sind Belohnung und Strafen nicht gerecht. Und wenn die Belohnungen und Strafen nicht gerecht sind, wissen die Untertanen nicht, wo sie ihre Hände und Füsse hintun sollen. Darum ist der edle und gerechte Mensch stets genau in seiner Ausdrucksweise, und seine Worte sind nicht doppelsinnig. Daher können seine Befehle ohne Gefahr des Missverstehens ausgeführt werden."

 

Konfuzius

 

 

 Sinnfrage des Lebens,  Beat Imhof



Geliebt zu werden macht stark;

selbst zu lieben macht mutig.

 

                                                                                  Lao-Tse